Das männliche Lustorgan (Connection Tantra Spezial)

connection1Nachdem bereits das Buch Yoni Massage von Michaela Riedl erschien, folgt nun das Buch für Männer, die Lingam Massage. In grauen Novembertagen, wenn man eh lieber im Bett bleibt, erreicht mich dieses Buch. Die Zeit passt und mein Partner freut sich ob der Wonnen, die auf ihn warten. Gleich lese ich ein paar Seiten über die Theorie der männlichen Lustorgane, auch Prostata und Anus werden hier liebevoll achtsam erwähnt,und dann freue ich mich, die ersten Griffe zu üben.

Erotisch ist es gerade nicht, mit Buch daneben – in das ich immer wieder einen Blick hineinwerfe – den Lingam zu berühren. Aber zum Glück stört es meinen Partner nicht, er ist gesegnet mit starker Potenz, die nichts so leicht weich werden lässt. Für Männer, die ein Problem mit Erektionen haben, ist dieses Buch auch gedacht. Sie finden einen anderen Zugang zur Lust, der nicht leistungsorientiert ist, sondern langsam, hinspürend, sich selbst als Mann neu erfahrend, wie der Co-Autor Jürgen Becker schreibt. Nach den ersten intensiven Berührungen und Streichungen in Griffen, die so schönen Namen haben, wie Feueroder Lingamesischer Tango,wird es gleich recht wild und lebhaft. Die sexuelle Erregung schiesst hoch und die Ejakulation ist kaum vermeidbar.

Doch, ich staune, es geht danach weiter. Männer haben manchmal gleich nach einem Erguss wieder einen steifen Lingam – vor Freude, Lust und Liebe. Mein Partner gehört zu dieser Gattung Mann. Ich versuche die ruhigeren Massagetechniken, die sehr schön Herz und Becken miteinander verbinden und tiefe Entspannung bewirken können. Wenn man ein bisschen Übung miteinander hat, sich gut aufeinander einstimmen kann, ist später der Big Draweine spannende Sache. Hier geht es nicht um die Ejakulation, sondern darum einen Ganzkörperorgasmus zu erleben. »Bei einem Ganzkörperorgasmus füllt sich der ganze Körper mit Kraft, Hitze, Verzückung und wohligen Schauern. Die Gefühle sind nicht auf den Genitalbereich beschränkt, sondern zirkulieren überall. Hinterher fühlt »mann« sich nicht geschwächt und ausgepumpt, sondern voller Energie und Tatkraft, als könnte man rausgehen und Bäumchen pflücken« schreibt Jürgen Becker.

Mir gefällt, dass auch über die energetischen und spirituellen Grundlagen berichtet wird. So werden die taoistische Philosophie der fünf Elemente vorgestellt und Übungen beschrieben zu den vier Wirkkräften in uns: Holz, Feuer, Metall und Wasser. Im Buch bekomme ich als Frau eine sehr nützliche und ausführliche Beschreibung wie progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson geht. Das hilft mir sehr bei Stress und den üblen Begleiterscheinungen davon. Wer mag, geht tiefer und befasst sich mit der Prostata und Anus Massage, die ebenfalls ganz eigene Gefühle und Körperwahrnehmungen bewirkt, auf die der Mann vielleicht noch nie im Leben Zugriff hatte. Letztendlich hilft es gegen Hämorrhoiden, wie ich als Heilpraktikerin weiss, wenn der gesamte Beckenboden und der Anus sich entspannen können. Wer als Korinthenkacker immer den Arsch zusammenkneift, wie die Autoren so schön direkt beschreiben, der möge sich einmal im Leben eine entkrampfende, liebevolle Anusmassage gönnen. »Wenn wir lernen mit dem Anus respektvoll und liebevoll umzugehen, dann kann dies unser ganzes Wesen wandeln, hin zu einer liebevolleren und sanfteren Haltung in uns selbst wie anderen gegenüber. Sinnbildlich gesprochen integrieren, ehren und erlösen wir »das Arschloch« in uns und machen dadurch – wie im Märchen vom Froschkönig – das scheinbar Eklige zum Prinzen«, lese ich im Buch und denke mir, dass das doch sehr erfreuliche Aussichten sind. Das Buch endet mit Interviews von Männern darüber, wie sie ihre Lingam Massage erlebten. Sehr berührend.

Erschienen in: Connection Tantra Spezial I/09