Eros im Alltag (Connection Spezial)

Michaela Riedl und Martina Weiser gründeten 1997 die tantrische Massagepraxis Ananda in Köln. Ihr Wissen beziehen sie aus ganz verschiedenen Richtungen z. B. Ausbildungen in Yin-Yang Massage und erotischer Massage bei Andro, Tantrakurse bei Andro, Advaita u. a., Ausbildung in traditioneller Thai-Massage im Old Medicine Hospital in Chiang Mai/Thailand und Hawaiianische Körperarbeit im Institut Hawaii. In den letzten Jahren war vor allem die Arbeit mit der spirituellen Lehrerin Maraya prägend (indianisch-schamanische Richtung).

Zu Gast bei Ananda erlebt man eine sinnliche und heilsame Reise durch den eigenen Körper,1,5 oder 2 Stunden lang wird der ganze Körper berührt und massiert. Im letzten Abschnitt der Massage wird der Genitalbereich mit einbezogen. Das geschieht im Bewusstsein darüber, dass die sexuelle Energie ist die stärkste und ursprünglichste Quelle für Lebensfreude und Kraft ist. Anregungen aus den genitalen Heilungsmassagen von Annie Sprinkle bzw. von Joe Kramer werden hier angewandt. Das Prinzip der genitalen Heilungsmassage hat seinen Ursprung im chinesischen Taoismus, dort geht es u. a. darum, sehr viel Energie aufzubauen, die bewusst zur Vitalisierung, zur Verjüngung, zur gesteigerter sexueller Energie und letztendlich auch zur Transformation genutzt werden soll.

Michaela Riedl: „Wir arbeiten hauptsächlich mit dem Sexualchakra und dem Herzchakra und schaffen hier eine Verbindung von Sex, Herz und Spirit. Beim Mann, genauso wie bei der Frau gibt es Reflexzonen im Genitalbereich, die mit bestimmten Organen verbunden sind. Diese Reflexzonen werden bei uns in der Massage gekonnt und ausgiebig massiert wodurch besonders tiefe Empfindungen entstehen.

Frauen und Männer reagieren darauf ganz unterschiedlich, was darin begründet ist, dass die Frau eine aufnehmende Natur hat und der Mann eher eine aktive abgebende Natur. Das bedeutet für die Frau, dass in ihrer Yoni (d.h. weiblicher Genitalbereich) sehr viele negative wie auch positive Erfahrungen gespeichert werden. Durch die Yoni-Massage werden ganz bewusst Verletzungen und Blockierungen gelöst, damit wieder Platz gemacht werden kann für angenehme Erfahrungen.

Da die Frau durch so eine Massage auch mit alten Wunden konfrontiert werden kann, ist es meist eine sehr emotionale Angelegenheit, obwohl die Erlebnisse natürlich sehr unterschiedlich sein können. Von Trauer, ozeanischer Lust, Wut, Geilheit bis hin zur Gleichgültigkeit ist alles möglich und vor allem natürlich erlaubt.

Männer kommen durch die Lingam-Massage (Lingam = männlicher Genital-bereich) eher in ihre Kraft und die ganze Massage ist dadurch meist dynamischer. Das Ziel ist eine volle Körperlebendigkeit, die Erektion ist dabei eher nebensächlich. Wir ermutigen Männer und Frauen dazu ihre Erwartungen loszulassen und ganz neue Erfahrungen damit zu machen, wie Sex oder Geilheit sein sollte.

Im Rahmen der Ananda-Massage bieten wir den Big Draw an, eine tantrische Übung, die dazu führt, dass die orgiastische Energie im ganzen Köper zirkuliert und nicht nur im Sexualbereich gebunden wird.“

Jede Frau, die im Team von Ananda arbeitet macht mindestens einmal im Jahr eine Weiterbildung zum Thema Massagetechnik / Körperarbeit, darüber hinaus gibt es innerhalb des Teams einen regen Austausch von neu erlernten Techniken. Die Massage bleibt dadurch lebendig und wird immer wieder neu inspiriert.

Der Artikel entstand in der Zeit, in der Michaela Riedl zusammen mit Martina Weiser die tantrische Massagepraxis “Ananda – Kunst der Berührung” leitete. Erschienen in: Connection Tantra Spezial 2004.