Harald über “Yoni-Massage” und “Lingam-Massage”

Liebe Michaela,

ich habe ihre beiden Bücher über die Yoni- und Lingam-Massage gekauft.

Ich hatte sie noch nicht einmal halb gelesen und war einigermaßen fassungslos.

Ich weiß, die Werke sind schon lange im Handel, und wahrscheinlich haben Sie genug Feedback erhalten, und ich werde ihnen wahrscheinlich nicht viel Neues mitteilen oder sagen können.

Sie schreiben auch darin, wieviel Anerkennung, Respekt und Dankbarkeit ihnen bisher entgegengebracht wurde. Mit Recht – bei allen Göttern dieser Welt: Mit Recht!

Das freut mich und läßt mich hoffen, daß es doch mehr sinnliche und lebensfrohe Menschen gibt, als ich glauben mag. Trotzdem und wegen der Möglichkeit, dass auch immer wieder Menschen Ihr Geschenk an diese Welt nicht begreifen und nicht annehmen wollen, würde ich ihnen gerne auch meine Mail für Ihr “Positiv-Konto” zukommen lassen.

Aber ich frage mich, wie kommt man auf solche Ideen? Wie kann man die Sexualität der Menschheit in solch einen Zusammenhang bringen? Im Mittelalter hätte man uns vielleicht gesteinigt oder, mit viel viel Glück, wäre eine neue Religion daraus erstanden, mit ihnen als Prophetin. Aber diese unheimliche, unselige Verteufelung alles Körperlichen – warum auch immer – hat den Menschengenerationen sehr viel Schönheit, Anmut, Gelassenheit und Harmonie geraubt.

Es ist doch obertraurig, daß ich mir eine Schweizer Uhr bis ins kleinste Detail erklären lassen kann, daß ich die seltenste Orchidee vielleicht zuhause auf der Fensterbank züchten kann…  aber den nackten Körper einer Frau oder eines Mannes aus nächster Nähe anschauen? Nur wenn die Intimregion bedeckt ist… weil, das geht ja niemanden etwas an. Dafür gibt es ja die Hochzeitsnacht oder den Arzt. Am besten: nachts und im Dunkeln. Da muß man dann auch nichts drüber wissen oder gar anfassen, Gott behüte uns. Die Organe, die u.a. für so unwichtige Dinge wie dem Fortbestand der Menschheit dienen, muss sich doch kein normaler Mensch im Hellen anschauen. Wo kämen wir denn da hin…

Und will ich doch mehr sehen und wissen, erntet man oft dumme Bemerkungen.

Ich kann die Fortpflanzungsorgane eines australischen Nachtfalters betrachten, und im Fernsehen darf man den Geschlechtsverkehr jeder Tierart anschauen. Will ich mal die Venuslippen einer Frau betrachten oder gar ihren Po oder die Erektion eines Mannes, muss ich Medizin studieren oder mich auf dubiosen Pornographieseiten tummeln. Das ist doch sehr merk- bis unwürdig. Man fühlt sich als Spanner und/oder als Unhold, aber selten als liebevoller Betrachter menschlicher Schönheit, z. B. auch an den “intimen” Stellen. Dabei glaube ich, es ist oft und sogar ein positives Interesse, eine natürliche Neugier an den Menschen, an den eigenen Artgenossen. Und ich persönlich finde gerade die weibliche Yoni wunderschön in all ihren Ausformungen. Was die Natur in diesem Bereich für Spielarten, Formen und Farben hervorbringt, ist immer wieder traumhaft.

Ich habe an so jemanden wie Sie kaum noch glauben wollen. Einen Menschen, eine Frau, die jede Region des menschlichen Körpers entspannt, natürlich und vorurteilslos behandelt, anschaut und annimmt. Und auch vorurteilslos erotische Energien, die die Menschen (zum Leidwesen mancher Dumpfmeister nun mal besitzen), nutzt und nicht unterdrückt. Und noch mehr: Sie veredeln und beflügeln sogar die Erotik von Menschen. Es ist eigentlich so einfach und sollte so normal sein und ist doch leider wieder meist selten zu finden.

Ich kenne mich nicht so gut aus bei diesem Thema, aber ich besitze eine gehörige Portion Neugier und habe über die Jahre einiges gelesen über Themen, wie z.B. “Anmut und Schönheit” oder “Rettet den Sex”. Doch bei ihnen habe ich das erste Mal das Gefühl, dass ihre Idee nicht mehr aus dieser Welt verschwinden wird. Ihnen gelingt die Gratwanderung zwischen Rotlichtbereich und zwischenmenschlicher, körperlich-seelischer Harmonie exakt. Sie treffen meines Erachtens den richtigen Ton für die Dinge, die sie bewirken wollen, und stehen so für eine bessere, schönere Natürlichkeit und Sinnlichkeit ein, dass ich Sie und ihre Ideen für unwiderstehlich halte. Ich möchte zeitweise jeden Tag eine Kerze in was für einem Tempel auch immer für Sie anzünden möchte.

Liebe Grüße,
Harald