Marco (Grundseminar Juli 2020)

Liebe Michaela, liebe Nicole, liebe Madlen, lieber Christoph,

Jetzt endlich finde ich die Muße, mich ausführlicher mit der Nachlese dieses wunderschönen Yoni-Lingam-Massageseminars im Juli zu befassen. Wiederum bin ich sehr nachdenklich, beglückt, befreit und bereichert nach Hause gefahren und freue mich, Euch meine immer noch frischen Eindrücke zu schreiben.

Zunächst wieder mal ein richtig dickes Lob zur Organisation und Durchführung. Die Messlatte vom nahezu perfekten Grundseminar im November hing ja richtig hoch, und ich war heimlich gespannt darauf, wie dieses Seminar, zumal unter Corona-Bedingungen, aussehen würde. Und es war so wie erhofft: Alle Schritte bauten schön aufeinander auf mit einem wundervollen und stimmigen Spannungsbogen. Alle Schritte wurden klar und ausführlich und mit viel Zeit eingeführt und begleitet. Es war so einfach und genussvoll, sich allem so vertrauensvoll und bedenkenlos hingeben zu können. Alle 4 Trainer waren sehr präsent, umsichtig und nahbar, und vor allem auch in ihrer eigenen Intimsphäre nahbar mit den Live-Intimmassagen und dieser für mich sehr berührenden 3fach-Demo der Yoni-Anatomie incl. Coco. Also, wer lässt sich schon so in seine „Eingeweide“ schauen. Wahnsinn! So einen konkreten Anschauungsunterricht aus nächster Nähe gibt es sonst nirgendwo. Das habe ich nicht mal im Medizinstudium incl. Gynäkologie & Geburtshilfe oder in der Sexualtherapieausbildung erlebt. Echt der Hammer! 

Und dann auch hier wieder der Sinn für die vielen Details drumherum, die Euer Niveau und Euren Stil so mitprägen. Toll! Und es ist so schön zu sehen, wie gut Ihr Trainer Euch versteht, als Team zusammenwirkt und fast wie eine kleine Familie zusammenhaltet und Euch unterstützt. Auch wenn Michaela nicht dabei war, Ihre Handschrift und Ihr Anspruch waren für mich sehr präsent. Den latenten und liebevollen Druck, dem entsprechen zu wollen und es richtig gut machen zu wollen, habe ich schon noch gespürt. Das Ausbleiben der schamanischen Elemente (bis auf ein Lied) habe ich überhaupt nicht als Verlust empfunden, im Gegenteil. 

Die Gruppe war ja angenehm klein und tat der geringeren Auswahl an Massagepartnern keinen Abbruch. Inhomogenitäten traten zwar deutlicher zu Tage, aber dennoch war die Stimmung unter uns Teilnehmern richtig angenehm und sehr wohlwollend vom Wunsch geprägt, sich gezielt weitentwickeln zu wollen (ohne „Mal gucken, was Tantra-Massage so ist“). Ich merke richtig, wie mich dieses Milieu der Suchenden nach Menschlichkeit, eigener Mitte und Glück in der Resonanz anzieht.

Und dieses Mal habe ich besonders gespürt, wie wichtig es ist, dass es unter den Teilnehmern keine, insbesondere sexuellen Beziehungsangebote gab. Keine Küsse, keine Anzüglichkeiten, keine Übergriffigkeiten, kein Begehren. Stattdessen Hilfsbereitschaft, Respekt und Umsicht. In so einem geschützten Rahmen konnten wir alle uns in den Übungen als Lernende begreifen und uns hemmungslos zur Verfügung stellen. Diese Absichtslosigkeit war erstaunlich entspannend.

Was mich auf der Heimfahrt besonders beschäftigte, waren tatsächlich die beiden Männertage. Was für eine grandiose Idee, Männer und Frauen so lange zu trennen und unter ihresgleichen andere Erfahrungen zu machen! Und ich fragte mich, wieso mich das so sehr beschäftigte. Irgendwie wirkte ich gelöster und ruhiger, und das hält seltsamerweise bis heute an. Vielleicht liegt es daran, dass Männer etwas von ihrem „Schrecken“ verloren haben. Und damit meine ich nicht den „Schrecken der Gewalt, der Konkurrenz, der Rivalität“ oder dem, was man sonst noch gerne Männern untereinander nachsagt. Nein, es ist eher, dass es so richtig schön war, sich Männern so intim zu nähern, ohne dass es diesen Geschmack von „Schwulsein“ hatte. Es war so verblüffend einfach und so natürlich – wie kleine, spielende Jungs. Mit so viel Spaß und Witz. Und dennoch so voller Wonne und tiefer Glücksgefühle. So wie damals, als wir noch unbeschwerte Kinder waren vor der Sozialisation zum Mannsbild. So schön wie mit G. war’s noch nie in meinem Leben. Wie bekloppt ist das denn?! Da lagen dann ich als Arzt mit einem Architekten und Familienvater auf der Matte und waren einfach nur glücklich und voller Freude über diese Erfahrung. Das kann man fast keinem erzählen. (Meine Frau war schon ziemlich beeindruckt!) Das muss man erlebt haben. Einfach nur gut. Und so harmlos. Gleichzeitig gab es auch die traurige Erkenntnis darüber, wie sehr ich meinen Penis – wie so viele Männer – beim Sex und überhaupt eher als Funktionsinstrument behandelt habe und, wenn ich ihn sprechen lasse und ihm zuhöre, ihn doch viel lieber als empfindsames, gefühlsstarkes Wesen erleben und vorsichtig behandeln möchte. Dieses Zwiegespräch mit „ihm“ war ein richtig gutes und wichtiges Element.

Tja, und nun taucht ein unerwartetes Problem auf: Unter diesem Niveau will ich keinen Sex mehr haben. Almosensex ade.

˃ Also, auf eine knappe Formel gebracht, kann ich nur sagen: „Alles richtig gemacht.“

Ganz liebe Grüße,

Marco