Mariano (Die anale Versuchung 2014)

„Es war einmal eine dunkle und schlammige Höhle, die den wertvollsten Schatz aus Gold und Edelsteinen versteckte…“ So würde ich mit der Beschreibung des Seminars anfangen, wenn ich dafür die Märchensprache auswählen würde. Und wenn ich an den Stoff denke, den wir hier behandeln, erscheint sie mir zutreffend.

Unser Analbereich ist doppelt verpönt: er befindet sich unter der Gürtellinie und noch dazu hinten-drin. Deswegen erfordert es Mut, sich an diese Reise in die Dunkelheit zu begeben. Weil man auf dem Weg mit „Bösewichten“ und Drachen wie Konditionierungen und tiefen Ängste konfrontiert ist. Aber in den Märchen sind die Helden bekanntlich mutig und am Ende wird ihre Kühnheit reichlich belohnt. Für mich war das Seminar genau das: eine Reise in Gebieten, die nicht gänzlich fremd waren, die man zwar vom Hörensagen kannte, die aber auch längst nicht in der alltäglichen Landkarte zu finden waren. Und diese Reise enthüllte eine alte Sehnsucht: Diese Gebiete, wie der Rest unseres Körpers, wollen auch erforscht, genossen, wertgeschätzt werden. Die warten noch auf ihre Entdeckung, ihre Besiedlung und ihren Genuss. Und sie enthalten kostbare Erkenntnisse, die zu meiner Überraschung (zumindest für mich als Mann) weniger mit der Lust zu tun hatten und mehr mit der Spiritualität und der Liebe. Oder doch mit der Lust, aber eine neue Lust, die so neu und unbekannt und geräumig für mich ist, dass ich noch keine treffende Beschreibung dazu anbieten kann. Vielleicht die grandiose Macht der Hingabe?

Wie in allen guten Märchen gab es dabei lustige Augenblicke, dramatische Wendungen und Allerlei Erstaunliches. Tränen wurden auch gegossen. Aber zum Glück waren wir, heroische Reisenden, nicht auf uns gestellt: um uns herum waren ständig die guten Feen, die uns Halt gaben, den richtigen Weg zeigten, den Rahmen sauber und ehrwürdig hielten und uns eben auch mal die Tränen trockneten. Dank Michaela, Chris, Jörg und Doris fühlte ich mich ständig sicher und beschützt.

Schließlich endete das Seminar auch wie ein Märchen: „…and they lived happily ever AFTER“.

In tiefer Dankbarkeit,

Mariano