Martin Hahn

Sehr geehrte Damen und Herren,

mir ist mitgeteilt worden, dass Sie, als „Amt für öffentliche Ordnung, glückspielrechtliche Angelegenheiten und Bordelle“ nunmehr gegen offizielle Tantra-Schulen angehen, da Sie die dort angebotenen Seminare fälschlicherweise als „Prostitutionsveranstaltungen“ betrachten möchten.

Ich, Martin Hahn, Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik (FH) und derweil Senior Data Engineer bei einem öffentlichen Arbeitgeber, muss hierzu deutlich Stellung beziehen:

Ich muss sagen: Selten war ich über einen Schritt so entsetzt wie über diesen. Diese Herangehensweise mag in dem noch rückwärtsgewandten Bayern hier und da denkbar sein, aber in einem aufgeklärten Staat im 21sten Jahrhundert hat eine solch krasse Fehleinschätzung durch Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst keinen Platz.

Nur schonmal zum deutlichen Nachlesen für Sie: Ich bin noch nie zu einer Prostituierten gegangen, auch werde ich das wohl nie tun. Allerdings habe ich vor einiger Zeit ein einwöchiges Tantramassage-Seminar einer Schule besucht, die nach den Prinzipien des deutschen Tantramassage-Verbands e.V. lehrt, und dabei extrem viel über meinen wie auch den weiblichen Körper gelernt. Niemals würde ich diese Erfahrung missen wollen, so hilfreich ist sie im respekt- und liebevollen Umgang mit meiner Partnerin schon gewesen.

Merken Sie es denn wirklich nicht? Prostitution heißt: „Da verkauft jemand seinen Körper für sexuelle Handlungen, das Ziel der Handlung steht in der Regel fest, der Respekt vor einen anderen Körper ist verschwindend gering“.

Tantramassage-Seminare aber sind: „Schulungen zum Erlernen von Langsamkeit, Respekt vor dem anderen Körper, Massage an jeder Stelle des menschlichen Körpers; zum (Wieder-)Erlernen von Lust an der Sexualität ohne jede Fixierung auf ein >>Ziel<<„.

Es ist ein so unglaublich großer Unterschied, dass ich glauben muss, dass Sie überhaupt keine Ahnung haben, was Sie da eigentlich vorhaben. Abgesehen davon, dass auch hier Menschen nackt sind, kann ich mir nur wenig vorstellen, was noch weiter weg ist von jeglicher Prostitution. Im Gegenteil

sogar: Ich würde JEDEM Menschen ein solches Seminar ans Herz legen, sobald er reif genug ist, sich in einer solchen Weise fallen zu lassen (grob ab vielleicht 25-30 Jahren).

Ich kann mir nur einen Grund vorstellen, wieso Sie auf dieses schmale Brett gekommen sind, Tantramassage Schulungen als Prostitution abzustempeln: Der Begriff „Tantra“ ist unglücklicherweise nicht geschützt. Wenn also jemand aus dem Rotlicht-Bereich nebenbei „Tantra“ anbietet, kann ihm oder ihr das nicht verboten werden. In dem Fall handelt es sich möglicherweise tatsächlich um Prostitution, sicher dann, wenn ein „Happy End“ angeboten wird.

Wenn Sie Ihre Spürnase dahingehend entwickeln, verstehen Sie sicherlich den großen Unterschied zwischen Seminaren, die nach offiziellen Richtlinien des deutschen Tantramassage-Verbands abgehalten werden (Menschen lernen dort wie gesagt höchst wertvolle Dinge über ihren eigenen Körper, ihre Fähigkeiten einfühlsam zu sein und über den Körper des Anderen) und eben der Prostitution auf der anderen Seite.

Verstehen Sie mich nicht falsch, Ihre Aufgaben sind wichtig und sicherlich führen Sie sie auch in den allermeisten Fällen korrekt aus, doch in diesem Falle sind Sie auf einem fatalen Irrweg. Sollten Sie daran festhalten, muss ich mir rechtliche Schritte vorbehalten, da ich mich in dem Falle stark in meiner persönlichen Entfaltung und menschlichen Würde eingeschränkt (ja, das Erlernen und Ausüben respektvoller Berührung gehört dazu) bzw. angegriffen fühle (Artikel 1 und 2 unseres Grundgesetzes).

Freundlichen Grüße,
Martin Hahn