Kleine Einführung in die Welt des Tantra

Die Tantramassage, so wie wir sie bei AnandaWave® praktizieren, basiert auf einem durch die tantrische Philosophie geprägten spirituellen Weltbild und Techniken aus dem Taoismus.

Der Tantrismus ist eine große philosophische Bewegung, die sich in viele verschiedene Ströme aufteilt und Einfluss auf Yoga, Buddhismus und die hinduistischen Glaubenssysteme hatte.

Beim Tantra geht’s doch um Sex, oder?

So wie wir das Wort „Tantra“ heute benutzen, wird damit meist die tantrische Strömung gemeint, die der Sexualität des Menschen eine zentrale Bedeutung beimisst. Dabei geht es mehr um „Genuss und Hingabe mit Bewusstheit“ (Osho), als um sexuelle Praktiken an sich. Der Körper mit allen Sinnen, seine Triebe und Bedürfnisse werden nicht abgewertet oder verleugnet, sondern im Gegenteil wird die Integration des Sinnlichen als Weg zur Transformation des Weltlichen gesehen.

Der Tanz der Polaritäten

So wurden im Tantra verschiedene Meditationstechniken entwickelt, die es dem Menschen ermöglichen sollen, seine sexuelle Kraft für einen inneren Transformationsprozess zu nutzen.

Der Tantrismus ist keine Religion mit dogmatischen Vorstellungen, sondern eine gelebte Philosophie, die alle Bereiche des Lebens zutiefst bejaht und alle einengenden gesellschaftlichen Strukturen sprengt, um den Menschen als Individuum in Einklang mit dem großen Ganzen zu bringen, sodass er die universale Einheit des Kosmos in sich erfahren kann.

Das Wort Tantra stammt aus dem Sanskrit. Seine Wurzel tan bedeutet so viel wie „ausdehnen“, „Fäden“ oder „Gewebe“. Gemeint ist damit ein großes kosmisches Gewebe, mit dem wir alle verbunden sind.

Dieses Weltbild steht unserem dualen Denken in Polaritäten teils konträr gegenüber. Zwar hat alles hat zwei Seiten, doch nur wenn wir beide unvoreingenommen wahrnehmen können, beginnen wir die dahinterliegende Wahrheit zu verstehen und die zugrunde liegende Einheit zu erkennen.

So sind wir im Leben mit Situationen und Gefühlen konfrontiert, die uns angenehm bzw. unangenehm erscheinen, doch jede Seite will gefühlt und vollkommen angenommen und durchlebt werden, damit sie transformiert werden und die Essenz zu Tage treten kann

Die größte Erfüllung liegt im tantrischen Sinne darin, diese Essenz oder Einheit zu erfahren. Denn das alleinige Wissen um die Einheit schenkt uns keine Erfüllung. Um sie zu erfahren, ist es nach tantrischem Verständnis jedoch nötig, dass sich die polaren Kräfte des Universums (Shiva und Shakti) als eigene, unabhängige Kraft wahrnehmen können.

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne..

In der Schöpfungsgeschichte des Tantra spielen die beiden Pole Shiva, als das göttlich-männliche Prinzip und Shakti, als das göttlich-weibliche Prinzip eine zentrale Rolle. Während Shakti das bewegte, schöpferische Element darstellt, repräsentiert Shiva den Geist und Beständigkeit. Shiva und Shakti werden dabei nicht als märchenhafte Gottheiten betrachtet, sondern als Metapher für die Polaritäten des Lebens.

Yin und Yang

In diesem Bild bleibend entstand die materielle Welt in dem Moment, in dem es Shakti in den metaphorischen Fingern zu jucken begann und sie sich regen und kreativ schöpferisch werden wollte. Sie verließ die bis dahin bestehende Einheit mit Shiva, um sich in die nun durch sie entstehende Schöpfung hinein zu winden. Die Erinnerung an die Einheit mit Shiva, dem reinen Bewusstsein, trägt sie noch in sich und drängt, bereichert und differenziert durch die Erfahrung der Dualität, wieder nach Verschmelzung und Vereinigung.

Daher ruht nach diesem Verständnis in der materiellen Schöpfung die Sehnsucht nach Shiva, nach dem geistigen Pol. In uns Menschen ruht Shakti in Gestalt der Kundalini, die sich in unserem Becken, am unteren Ende der Wirbelsäule zusammenrollt. Ihre Sehnsucht, sich mit dem reinen Bewusstsein wieder zu verbinden äußert sich in unserem Drängen nach Spiritualität, in dem Wunsch glücklich und ganz zu sein, dem Streben nach Erfüllung und sinnerfülltem Leben.

Ein zentrales Anliegen der Tantriker ist es, die Kundalini durch die verschiedensten Techniken zu wecken, damit sie über den Weg der einzelnen Chakren, die Wirbelsäule entlang, nach oben zum Sitz des Shiva aufsteigen kann.

Die erweckte Kundalini steigt durch die Leitkanäle (Nadis) entlang der Wirbelsäule durch die sieben Hauptchakren nach oben auf. Dadurch entsteht die Verbindung zu Shiva, dem Geistigen. Im Tantra ist diese Verbindung als Vereinigung zwischen Shiva und Shakti dargestellt.

Der Lotus als Symbol für
die aufsteigende Seele

Viele verbinden mit dem Bild der aufsteigenden Kundalini Vorstellungen von Erleuchtung, „energetischer“ Aufladung und allerhand interessanter Phänomene, die damit einhergehen. Aber die Kundalini-Energie ist eine recht zarte Angelegenheit. Wird sie gehegt und gepflegt, dann verhilft sie zu Ausgeglichenheit, dem Gefühl der Verbundenheit, Einverständnis mit sich selbst und authentischer Lebensführung.

Das, was uns beim Geben und Empfangen einer Tantramassage so tief berührt ist dieses Gefühl der Verbundenheit, das entsteht, wenn die Fesseln abfallen, die wir uns in Form von Denkmustern und konditionierten Handlungsweisen auferlegen und auferlegen lassen. So erschließen wir vertrauensvoll neue und oft unbekannte Räume in uns selbst. Es ähnelt dem Erahnen der inneren Weite, die der Zustand der Meditation auslöst. Wir wissen, dass wir aufgehoben sind in einem größeren Ganzen und gleichzeitig durch unser inneres „Berührtsein“ mehr berührt wird als nur wir selbst.

In diesem Sinne sind wir im Tantra dazu eingeladen, uns als Ausdruck göttlicher Schaffenskraft zu erleben, als Shiva und Shakti. Ein christlicher Mönch sagte einst, die Menschen wären die Blüten Gottes…ungefähr so lässt sich das auch auf das hinduistische Bild übertragen. Das bedeutet auch, dass jeder Teil und Aspekt von uns, all unsere Begabungen und Herausforderungen, all unsere Formen und Farben einen Abdruck der Göttlichkeit in sich tragen. Und es bedeutet, dass alles mit allem und jeder mit jedem verbunden ist.

Dieser Gedanke lädt dazu ein, sich selbst, andere Wesen und die Welt, in der wir leben mit Demut, Freundlichkeit und Achtsamkeit wahrzunehmen und zu behandeln. Deshalb erscheint uns diese Philosophie als idealer geistiger Rahmen für eine Tantramassage.

Tantra in den Tantramassagen

Tantra umfasst die verschiedensten Methoden und Techniken, Meditationen und Lehren, deren Essenz in ständig neuen Formen weitergegeben wird. So entstand auch der Neo-Tantrismus, ein Tantra für Menschen unserer Zeit und unserer Kultur. Die Form hat sich unserer westlichen Welt angepasst, doch die Blüte und der Duft des ursprünglichen Gedankens blieben erhalten. Genauso verhält es sich mit fundierten Tantramassagen,  die einen wesentlichen Aspekt des Neo-Tantrismus darstellen.

Unter Tantramassagen verstehen wir ausschließlich Massagen, die mit dem Wissen um die philosophischen Hintergründe  und in ihrem Geist durchgeführt werden. Wir begegnen dem Körper als Tempel der Seele mit ehrfurchtsvoller Achtsamkeit und mitfühlendem Respekt.

Der Maibaum: Ein europäisches Symbol für die Vereinigung von Himmel und Erde

Das Besondere an Tantramassagen im Unterschied zu anderen „alternativen“ Massageformen ist das bewusste und konkrete Einbeziehen des Genitalbereichs, der Yoni bei der Frau und des Lingams beim Mann. Dadurch wird der Mensch in seiner Ganzheit angenommen, wodurch auch sexuelle Heilung auf körperlicher Ebene möglich wird.

Die Tantramassage beruht auf dem Verständnis, dass Körper, Gefühle, Geist und Seele eine Einheit bilden. Das Ziel der Massage ist es, die Sexualität als verbindendes Element zwischen Geist (Spiritualität) und Körper (Triebhaftigkeit) erlebbar und nutzbar zu machen.

Während der tantrischen Massage können Menschen eine innere Oase der Ruhe, des Aufatmens und der sinnlichen Hingabe erleben.