Olga Verneville

Aufgrund meiner eigenen Erfahrung mit der professionellen Tantramassage konnte ich folgende Meinung dazu ausbilden: Die Tantramassage ist ähnlich wie Ergotherapie in den Bereich der therapeutisch-pädagogischen Tätigkeit einzuordnen.  

2012 litt ich an einer Burn-Out-Erkrankung, die bereits so fortgeschritten war, dass es körperliches Leiden nach sich zog. Ich befand mich in einer fachärztlichen psychischen Behandlung. Bereits als Kind litt ich darunter, dass meine Eltern kein erfülltes sexuelles Leben mit einander führen konnten.  Die Ehe drohte permanent zu zerplatzen, was die Kinder instinktiv die ganze Zeit in eine Alarmbereitschaft versetze. 20 Jahre später befand ich mich in derselben Situation wie meine Eltern. Das Eheleben überforderte sowohl mich als auch meinen Ehemann. Ich wollte meinen Kindern jedoch mein Schicksal des steten Dramas zu Hause ersparen. So nahm ich 2014 zum ersten Mal am Tantraseminar von Michaela Riedl teil. 

Es würde den Rahmen dieses Schreibens sprengen, wenn ich versuche aufzulisten, welche inhaltlichen Fortschritte ich im Rahmen der tantrischen und systemischen Selbsterziehung und Weiterbildung gemacht habe. Als Hauptergebnis gilt vielleicht nur zu erwähnen, dass ich heute über Werkzeuge und Wissen verfüge, meine Ehe so zu führen, wie ich es mir gewünscht hatte und dass ich meine sexuelle und psychische Gesundheit selbstständig managen kann.

Es folgten weitere Seminare bei Olaf Göbel und Tamara Tegmeier und bei vielen anderen Anbietern. Stand heute: ich habe eine zertifizierte Prüfung als Tantramasseurin 2016 bei dem Fachverband TMV abgelegt und gebe seit Mai 2018 professionelle Tantramassagen am Institut Dakini in Köln. Parallel dazu habe ich mich in der systemischen Aufstellungsarbeit an der Hellinger Schule weitergebildet und in der ganzheitlichen Faszienbehandlung an der Schule für Körperarbeit Gantke. Alle diese modernen therapeutischen Methoden benutzen den Körper als Instrument der Wahrnehmung und erlauben es den Menschen, neue gesündere Muster zu verkörperlichen. Allen diesen Methoden liegt der Grundgedanke der Menschenliebe zu Grunde und die Ansicht, dass wir Menschen die Liebe lernen können und auch sollen. 

Aus meiner Sicht ist es heute notwendig die Tantramassage als Therapiemethode oder erlebnispädagogisches Angebot zu schützen und ähnlich wie Ergotherapie rechtlich zu behandeln. Dazu ist eine Prüfung, Lizensierung und Supervision der Anbieter und eine Installation der ausbildenden Institute notwendig. Institute, die den Richtlinien des Fachverbandes nicht folgen, dürfen aus meiner Sicht den Namen „Tantramassage“ nicht benutzen. 

Olga Verneville, 
Dozentin in der Erwachsenenbildung, Körpertherapeutin