Renate Knaup

Sehr geehrte Damen und Herrn,
ich verstehe durchaus, dass der Begriff „Tantra-Massage“ missbräuchlich auch im Rotlichtmilieu benutzt wird. Leider ist das Wort Tantra nicht geschützt. Ich glaube, niemand ist mehr darüber bestürzt über diese Auswüchse, als die Menschen, die eine rituelle Tantra-Massage als Seelenrettung oder als Heilung ihrer sexuellen Traumata betrachten. 

Ich selbst habe meine erste Tantra-Massage bekommen, als ich in einer schweren Lebenskrise war. Ich war depressiv, fühlte mich entwertet und mein Selbstwertgefühl war im Keller. Ein Bekannter riet mir zu einer Tantra-Massage. Ich sollte mich an ein Institut wenden, welches auch Seminare gibt. Da würde ich sicher nicht in einer der Rotlichtmassageörtlichkeiten landen. 

Nach diesen Vorgaben suchte ich mein Tantra-Institut aus. Mein Masseur war sehr einfühlsam, erklärte mir was passiert, wie ungefähr die Massage zeitlich abläuft und dass ich jeder Zeit stopp sagen müsste, wenn mir irgendetwas nicht gefällt, ich Angst bekäme oder mich in jeder Art auch immer unwohl fühlen würde. 

Die Massage dauerte ca. 2,5 Stunden. Während der ganzen Massage kam es zu keinem sexuellen Kontakt zwischen mir und dem Masseur. Ich habe mich unter der Massage noch nie so gut behandelt gefühlt bzw. so sanft und liebevoll berührt. Die Betonung liegt auf „berührt“ und nicht auf „erregt“. Mein ganzer Körper war entspannt und ich fühlte mich wieder wie ein neugeborener Mensch. 

Seitdem habe ich viele Massagen bekommen. Durch diese liebevolle sanfte Berührung sind meine Depressionen weg, mein Selbstwertgefühl und meine Lebensfreude sind wiederhergestellt. 

Ich kenne viele Menschen, die durch die Sanftheit und die liebevolle Art der Berührung während der Tantra-Massage wieder zu einer seelischen Stabilität gekommen sind. Ich habe Männer wie Frauen nach einer Tantra-Massage weinen gesehen, da sie von der Massage so berührt waren und in ihrem Leben noch nie so liebevoll behandelt wurden. Viele dieser Menschen haben schon lange keine Streicheleinheiten mehr bekommen. Sie fühlten sich geborgen und oft an ihre Kindheit erinnert. 

Es ist so wohltuend durch sanfte Berührungen ein Lebensgefühl zu bekommen, welches sonst nicht möglich ist. Aus diesem Grund besuche ich regelmäßig die verschiedensten Tantra-Seminare. Ich habe auch die Kunst der Tantra-Massage gelernt. Ich wollte wissen, wie fühle ich mich als Gebende. Es ist ein wunderbares Gefühl,  Menschen mit ihren Sorgen und Nöten helfen zu können. Über diese Themen spricht man nicht, über den Mangel an Berührung erst recht nicht. Aber die Dankbarkeit dieser Menschen zu erleben ist unbeschreiblich. 

Bitte überdenken sie ob sie den Menschen mit einer Ausbildung zu einem so wichtigen Beruf wirklich die Existenzgrundlage nehmen. Menschen, die auch Seminare geben und dadurch in der tantrischen Lebensphilosophie leben, haben nichts mit Prostitution zu tun. Sie sind eine Bereicherung für eine offene freie Lebensweise. Die müsste in einer lebensnahen offenen Lebenskultur möglich sein. 

Renate Knaup,
früherer Beruf: Biotechnikerin