Sexuelle Kultur statt YouPorn

Jetzt Orte für respektvolle Begegnungen erhalten

Mein Unternehmen “AnandaWave – Schule für tantrische Berührungskunst“ bereitet laut gerichtlichem Urteil auf einen ordentlichen Beruf vor. Nun soll sie als Prostitutionsveranstalter angemeldet werden.

Die Tantra-Massage ist eine besondere Form der sinnlichen Berührungskunst. Sie ermöglicht eine wertschätzende, wertungsfreie, sinnliche Begegnung, die keine sexuelle Interaktion beinhaltet, wohl aber eine bewusste und achtsame Intimmassage. Das Vertrauen in sich selbst und in das Leben wird dabei entscheidend gestärkt.

Tantra-Masseuren und -Masseurinnen, die bei mir die Ausbildung mit Zertifikat absolvieren, ist nicht an einer bloßen Bedürfniserfüllung und Entspannung ihrer Klientinnen und Klienten gelegen, sondern an der Weiterentwicklung sexueller Kultur, sexueller Bildung und am Weitergeben sinnlicher Fertigkeiten. Zudem bin ich nicht als Tantramasseurin aktiv, sondern ausschließlich als Ausbilderin und Seminaranbieterin ohne intimen oder sonstigen sexuell konnotierten Körperkontakt zu den SeminarteilnehmerInnen.

Mit meiner Ausbildung bin ich auch im Tantramassageverband e.V. (TMV®) organisiert. Seit mehr als 25 Jahren engagiere ich mich hier für eine neue sinnliche Kultur, für ein neues Berufsbild zwischen Wellness, Sinnlichkeit und Heilkunde.

Wo finden Sie eine Adresse, wenn Sie ganzheitliche Berührung suchen? Ihre Sexualität verändert sich? Es tauchen Fragen auf, die keiner beantworten kann? Sie glauben, dass Sinnlichkeit und Sexualität anders sein kann als die Darstellung in Pornos?

Immer mehr Menschen leben als Single oder in Beziehungen ohne Berührungen. Wir leben in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels. Viele suchen Antworten außerhalb einer Partnerschaft.

„Sexuelle Gesundheit setzt eine positive und respektvolle Haltung zu Sexualität und sexuellen Beziehungen voraus sowie die Möglichkeit, angenehme und sichere sexuelle Erfahrungen zu machen, und zwar frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt.“

WHO (Weltgesundheitsorganisation)

Seit Mitte der 80er Jahre hat sich im liberalen Geist des deutschsprachigen Raums ein neues Berufsfeld gebildet, das an die Bereiche Wellness, Sinnlichkeit und Heilkunde grenzt. Heute haben wir zahlreiche fundierte Ausbildungen, die neben Gesprächen auch Berührungen und Körper- bzw. Atemübungen als Teil einer wirksamen Behandlung lehren.

Eine der Hauptaufgaben des TMV® ist die Entwicklung eines neuen Berufes. Dazu hat der Verband markenrechtliche Schritte ergriffen und sich den Begriff „Tantramassage TMV“ schützen lassen. Die Wortmarke fungiert als Gütesiegel, durch das der Kunde erkennen kann, um was für ein klar definiertes Angebot es sich handelt.

Um dieses Qualitätsversprechen einzulösen, hat der TMV® komplexe Ausbildungskriterien einschließlich einer strengen Zertifizierung geschaffen. Die Ausbildung dauert ca. zwei Jahre und kostet ca. zwischen 4.000 und 6.000 Euro. AnandaWave ist einer der größten Ausbilder auf dem deutschen Tantramassagemarkt.

Durch das Prostituiertenschutzgesetz wird meine und die Arbeit aller, die sich im Bereich der ganzheitlichen sexologischen Körperarbeit fortgebildet haben, gefährdet und ignoriert. Das Gesetz differenziert nicht zwischen den verschiedenen Anbietern, welche Intension die sexuelle Handlung hat und welche Ausbildung sie gemacht haben.

Unser Personenkreis ist auch nicht schutzbedürftig in dem Sinne, wie es das ProstSchG versteht: Wer eine Tantramassage-Ausbildung macht, hat in der Regel bereits eine anderweitige Berufsausbildung oder in vielen Fällen ein Studium vorzuweisen und steht mit beiden Beinen in einem selbstbestimmten Leben. Die Ausbildung ist für die allermeisten Auszubildenden eine Herzenssache, der sie mit Überzeugung und hoher Motivation nachgehen.

Auch geht von uns keinerlei Gefahr aus, die beobachtet und kontrolliert werden müsste, im Gegenteil: Wir richten Menschen auf, wir fördern ihre Selbstermächtigung, wir schauen darauf dass sie ihre Grenzen spüren und achten und schaffen eine Atmosphäre, die Menschen ihren eigenen Wert erkennen lässt.

In unseren Ausbildungs-Seminaren fördern wir:

  • Selbstverantwortung,
  • Präsenz und Achtsamkeit,
  • Empathie
  • emotionale Intelligenz,
  • Körperbewusstsein,
  • Kommunikation,
  • authentische sexuelle Identität,
  • die Fähigkeit mit Klienten zu arbeiten.

In meiner gesamten Berufslaufbahn ist mir nicht eine einzige auch nur annähernd gewaltsame Situation untergekommen. Wir sind mit Sicherheit eine der friedfertigsten Personenkreise, die bewusst und selbstbestimmt im Leben stehen. Wir müssen nicht „beschützt“ werden.

Auch möchte ich mit meiner Arbeit Brücken bauen und unserer Gesellschaft, die ich mit ihren demokratischen Strukturen und humanitären Ansätzen zutiefst schätze, dienen und mich nicht ständig gegen rückwärtsgewandte und nicht dienliche Betrachtungsweisen und Strukturen erwehren müssen. Wir sind nicht das Problem, sondern können – noch viel mehr als wir es jetzt schon tun – mit unseren integrierenden und ganzheitlichen Ansätzen eine Lösung bieten. Wir kämpfen nicht gegen sondern für etwas. Für eine sexuelle Kultur anstatt Ausbeutung, für Kontakt und Würdigung der eigenen Sexualität anstatt Youporn, für wertschätzende Möglichkeiten der Begegnung anstatt Tinder, für ein ausgeglichenes Sexualleben anstatt Gewalt und Missbrauch.

Am 13.02.2019 bin ich vom „Amt für öffentliche Ordnung, glücksspielrechtliche Angelegenheiten und Bordelle“ der Stadt Köln aufgefordert worden, ein Prostitutionsgewerbe anzumelden, da unsere Seminare nun als Prostitutionsveranstaltungen betrachtet werden. Dagegen werde ich Klage einreichen, da dies weder den Tatsachen, noch dem Wortlaut, geschweige denn der Intension des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) entspricht, welches als Grundlage für diese absurde Behauptung herangezogen wird.

In einer Antwort auf meine Stellungnahme an das „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ schrieb eine Stellvertreterin: „… Weitreichende Ausnahmeregelungen würden das Ziel des ProstSchG (…) geradezu konterkarieren und ein Einfallstor für erlaubnisfreie Geschäftsmodelle bieten.“

Wir sind jedoch kein beliebiges ominöses Geschäftsmodell, sondern bieten seit vielen Jahren erfolgreich eine 2jährige fundierte Ausbildung mit objektivierbaren Kriterien und einer klaren Ausbildungsordnung an, die jederzeit von der Stadt und jedem, der sich dafür interessiert, überprüft werden kann!

UND JA, an dieser Stelle lassen wir uns gerne überprüfen!

Deutlich urteilte z.B. im November 2013 das Verwaltungsgericht Stuttgart. Seinerzeit ging es um die gerichtliche Klärung, ob die Betreiber von Tantramassage-Praxen Vergnügungssteuer zahlen müssen. Zwar entschied das Gericht gegen die Klägerin Monika Kochs (ebenfalls TMV®-Mitglied), indem es darauf verwies, dass auch Betreiber von Tanzlokalen o.ä. Vergnügungssteuer zahlen, aber in seiner Urteilsbegründung stellte es gleichzeitig unmissverständlich fest:

„Das Gericht vermag nicht zu erkennen, dass es sich bei den bei der Klägerin tätigen Masseurinnen und Masseuren um Prostituierte im Sinne des Prostitutionsgesetzes handeln könnte.“ (8 K 2B/13, S. 14)

In einem weiteren Prozess, den ich mit meinem Unternehmen AnandaWave selbst bestritten habe, habe ich gegen die Zahlungspflicht der Umsatzsteuer geklagt, der Ausbildungsbetriebe in Deutschland nicht unterliegen. Das Verwaltungsgericht Köln entschied zu meinen Gunsten und befreite mein Ausbildungsinstitut von der Umsatzsteuerzahlung – mit der Begründung, dass die Ausbildung mit dem Abschluss „Tantramassage TMV®“ auf einen ordentlichen Beruf vorbereitet und alle Voraussetzungen für einen umsatzsteuerbefreiten Ausbildungsbetrieb erfüllt.

Damit ist kaum in Einklang zu bringen, dass nun genau diese Klientel, die mit einer aufwändigen, anspruchsvollen und steuerlich geförderten Ausbildung auf einen Beruf hinarbeitet, in einen Topf geworfen wird mit Menschenhandel und Ausbeutung der Frau.

Zusammenfassend möchte ich feststellen: Wir, also alle Tantramasseure und -masseurinnen, die nach den Kriterien des TMV® arbeiten und ausbilden, sind vom ProstSchG nicht gemeint, werden durch ungenaue und pauschale Formulierungen und Kategorisierungen des Gesetzestextes und teilweise auch Überforderung der Behörden nun aber von dem Gesetz miterfasst.

Ich möchte daher das BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) auffordern, eine Ausnahmeregelung zu schaffen bzw. die Definitionen im Gesetzestext so nachzubessern, dass das Gesetz nur dort für Schutz sorgt, wo er nötig ist, nicht aber einen jungen Berufszweig im Wachstum behindert. Die Ausnahmeregelung könnte für all jene Anbieter gelten, die eine abgeschlossene Ausbildung bei einem im jeweiligen Berufsverband organisierten Ausbilder (TMV® oder Vergleichbares) nachweisen können. Einen guten Überblick über solche Anbieter verschafft die Internetplattform www.trustedbodywork.com.

Der TMV®, der diese Forderung naturgemäß unterstützt, hat sich unmittelbar nach Inkrafttreten des ProstSchG in einer öffentlichen Stellungnahme wie folgt geäußert:

„Jegliche Art von gewerbsmäßiger Berührung im Intimbereich als ungelernte und oft unfreiwillige Prostitution aufzufassen, passt eher in den Geist der 50er und 60er Jahre und zeigt unserer Meinung nach einen blinden Fleck der Politik. Es wird vollkommen übersehen, dass schon heute in einem sehr weiten Spektrum praktisch mit Sexualität gearbeitet wird und dass in vielen dieser Bereiche das ProstSchG keinen Sinn macht und sogar im Wege stehen wird. Tantramassage-Praxen sind längst mit Ärzten, Heilpraktikern und Therapeuten vernetzt, die Tantramassagen für ihre Klienten empfehlen, wo sie selbst nicht helfen können oder dürfen. Wir verstehen unsere Arbeit als Beitrag zu einer aufgeklärten und fortschrittlichen sexuellen Kultur, zu selbstbestimmtem sexuellen Lernen und zu mehr Lebensqualität im Sinne der WHO-Definition von ‚Sexueller Gesundheit‘.“

(Aus der Stellungnahme des TMV vom Juli 2017)

Um abschließend ein aktuelles Beispiel zu nennen, das deutlich macht, wo die Unterschiede zwischen Prostitution und zertifizierter Tantramassage liegen: Seit Mai 2018 bucht eine Frau regelmäßig Tantramassagen in der Kölner TMV®-Massagepraxis Ananda – Die Kunst der Berührung, die Opfer sexueller Übergriffe geworden war. Die Kosten dafür wurden vom „Fonds Sexueller Missbrauch“ getragen, was belegt, dass dort die heilsame Wirkung einer Tantramassage bekannt ist. Interessanterweise nennt die Fonds-Website als Aufsichtsbehörde über die Geschäftsstelle des Fonds das „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“.

Ich appelliere an das BMFSFJ: Lassen Sie nicht zu, dass ein Gesetz auf die oben skizzierte Weise Missstände schafft, sondern seien Sie Förderer einer aufgeklärten und fortschrittlichen Gesellschaft, in deren Mitte die ganzheitliche Sexualität ihren Platz hat.

Michaela Riedl
www.anandawave.de
www.trusted-bodywork.com



Mehr Informationen:

WDR: Menschen hautnah
Deutschlandfunk Nova