Dagmar Gebert

Ich habe die tantrische Arbeit bei Michaela Riedl 2015 kennengelernt, als ich ziemlich unzufrieden in meiner Beziehung war. Ich war unfähig, meine Bedürfnisse meinem Lebensgefährten gegenüber zu äußern, in sexueller Natur und im Allgemeinen. Ich hatte auch verlernt, meinen Körper richtig zu spüren. Der Grundkurs der Tantramassageausbildung war der Anfang einer Reise zu mir selbst. Dort merkte ich, dass ich im Kontakt mit Männern Probleme hatte, meine Grenzen aufzuzeigen. Und dass das der hauptsächliche Grund dafür war, dass ich mich nie richtig auf eine Beziehung einlassen konnte. Das war etwas, worunter ich jahrelang gelitten habe. In dem Grundkurs wurde ich bestärkt, nein zu sagen, wenn mir etwas im Kontakt mit einem anderen Menschen nicht gefällt. Außerdem merkte ich, wie unzureichend und oberflächlich alles war, was ich hinsichtlich des Themas Sexualität von der Gesellschaft und von meiner Familie gelernt hatte. Ich hatte den menschlichen Körper, MEINEN Körper vorher noch nie als so etwas Wundervolles empfunden. Außerdem war ich noch nie zuvor mit so viel Respekt und Achtsamkeit berührt worden.

Nach dem Kurs war klar, dass ich etwas Grundlegendes in meinem Leben verändern wollte. Es folgten zwei Jahre in einer tantrischen Frauengruppe, weil ich mich erstmal mit meinem eigenen Geschlecht auseinandersetzen wollte. Mir war gar nicht klar, wie meine ureigene Sexualität aussehen sollte. Ich war zu geprägt von Ereignissen in meinem Leben, die mit Respekt und Achtsamkeit nichts zu tun hatten. Außerdem gab es da so viele gesellschaftliche Klischees, die ich verinnerlicht hatte. Und mir wurde bewusst, wie sowohl Männer als auch Frauen durch die Pornoindustrie verunsichert werden. Das hat verheerende Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Menschen Sex miteinander haben.

Die beiden Jahre in der festen Gruppe haben mein Selbstbewusstsein und meinen Selbstwert enorm aufgebaut. Ich habe vieles über mich und meine Verhaltensmuster in Beziehungen verstanden. Ich bin seitdem viel ehrlicher zu mir selbst und ich kann besser verbalisieren, was ich in Beziehung brauche und was nicht. Ich bin erst nach den tantrischen Erfahrungen bereit, mich überhaupt auf eine Partnerschaft einzulassen. Denn ich habe eine Ahnung davon bekommen, wie wunderbar es sein kann, wenn zwei Menschen achtsam und ehrlich miteinander umgehen. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Sexualität, sondern bezieht sich auf das ganze Leben.

Ich weiß nicht, wo ich ohne die Erfahrungen bei AnandaWave und bei meiner Frauen-Jahresgruppe jetzt wäre. Diese Erfahrungen haben meine Lebensqualität und Beziehungsfähigkeit enorm gesteigert.

Ich würde die tantrische Arbeit als Heilarbeit bezeichnen und ich wäre sehr froh, wenn schon Jugendliche so liebevoll über die eigentlichen Qualitäten der Sexualität aufgeklärt würden. Denn meiner Meinung nach würde es dann weniger, oder keine sexuelle Gewalt mehr geben. Es mangelt in unserer Gesellschaft an liebevoller Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und über vieles wird geschwiegen, so dass junge Menschen sich leider eher an Pornografie orientieren, wenn sie ihr Sexualleben beginnen. Das ist zumindest das, was ich erfahren habe und was ich beobachte.

Dagmar Gebert
Grafikdesignerin