nächster Termin:
Scham ist eine komplexe Emotion, die in vielen Disziplinen untersucht wird – sie betrifft Selbst- und Fremdwahrnehmung, den Körper, soziale Normen und kulturelle Diskurse.
Scham ist ein leises, oft verborgenes Gefühl – und gleichzeitig eines der mächtigsten. Sie betrifft nicht nur unseren Körper, sondern unser ganzes Sein. Sie zeigt sich nicht nur darin, wie wir uns zeigen, sondern auch darin, wie wir uns zurückhalten. In dem Moment, in dem wir denken: So bin ich zu viel. So bin ich nicht richtig. So darf ich nicht sein.
Im Kern von Scham steht oft ein sehr tiefer Satz: „Ich bin falsch.“
Nicht: Ich habe etwas falsch gemacht – sondern: Mit mir stimmt etwas nicht.
Diese Überzeugung entsteht selten plötzlich. Sie wächst aus Erfahrungen, aus Blicken, aus Bewertungen, aus unausgesprochenen Erwartungen. Wir lernen, uns anzupassen – in unserem Verhalten, in unserer Sexualität, in unserer Lebendigkeit. Wir beginnen, Teile von uns zu verstecken, zu kontrollieren oder gar nicht erst zu zeigen. Nicht nur der Körper wird reguliert, sondern auch unsere Stimme, unsere Lust, unsere Wildheit, unsere Bedürfnisse, unsere Sichtbarkeit.
Und gleichzeitig ist Scham etwas zutiefst Menschliches. Sie zeigt, dass uns Verbindung wichtig ist. Dass wir dazugehören wollen. Dass wir spüren, wenn etwas in uns in Kontakt gehen möchte – und gleichzeitig Angst hat, genau darin abgelehnt zu werden.
Vielleicht liegt die eigentliche Frage nicht darin, wie wir „richtig“ werden.
Sondern darin, ob wir den Mut finden, uns dem Gefühl zuzuwenden, das uns so lange begleitet hat. Wo in deinem Leben glaubst du, nicht ganz richtig zu sein?
Welche Anteile von dir hältst du zurück – in deinem Verhalten, in deiner Sexualität, in deinem Ausdruck? Und was könnte sich verändern, wenn der Satz „Ich bin falsch“ langsam Raum bekommt für ein „Ich bin da“.



